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Ecuador: Noboa-Imperium schlägt gegen Gewerkschafter zu

Lester Gustavo Freire Burgos wurde im Dezember 2011 von dem Plantagenunternehmen Bananera Álamos S.A. in Ecuador entlassen, nachdem er Ende Oktober zum Generalsekretär der Betriebsgewerkschaft gewählt worden war. Die Gewerkschaftsföderation FENACLE beklagt diesen neuen Fall von Gewerkschaftsverfolgung auf der Farm Álamos, die durch die blutige Unterdrückung eines Streiks im Jahr 2002 berüchtigt ist.

Gustavo Freire Burgos

FENACLE und die Lateinamerika-Koordinierung der Bananangewerkschaften COLSIBA bitten um internationale Solidarität, damit das Unternehmen Álamos, das dem Firmen-Magnaten Álvaro Noboa gehört, die Kündigung zurücknimmt und die Verfolgung von Gewerkschaftern beendet. Ecuador ist das Land mit dem meisten Bananenexport weltweit. 2011 waren es 285 Mio. Kartons. Löhne und Arbeitsbedingungen werden von FENACLE als sehr schlecht bezeichnet.

Lester Freire hatte fast auf den Tag genau 13 Jahre lang für das Unternehmen Bananera Álamos gearbeitet, als ihm die Personalchefin Sandra Miranda in der zweiten Dezemberwoche 2011 eine sofortige und unbegründete Kündigung aussprach. Das Unternehmen verstieß damit gegen mehrere Arbeitsgesetze. In jedem Fall hätte eine Frist von 30 Tagen eingehalten werden müssen, in der die staatliche Arbeitsinspektion die Rechtmäßigkeit der Kündigung hätte prüfen und gegebenenfalls die Höhe der Entlassungsentschädigung hätte festsetzen können. Außerdem genoss Lester Freire laut Artikel 187 des Arbeitsgesetz als Gewerkschaftssekretär Kündigungsschutz. Lester Freire erklärte, dass das Unternehmen stets mit seiner Arbeitsleistung zufrieden gewesen wäre, so dass es außer seiner Wahl zum Generalsekretär keinen anderen Anstoß für seine Kündigung geben könnte. Bereits im Mai 2011 hatte das Noboa-Unternehmen alle dem Vorstand und der Tarif-Verhandlungskommission der Gewerkschaft angehörenden Arbeiter/innen entlassen. Die Gewerkschaft war damals von 700 Arbeiter/innen neu gegründet worden, um erstmals einen Tarifvertrag mit dem Unternehmen auszuhandeln. Nachdem sie durch das Arbeitsministerium als legal konstituierte Gewerkschaft registriert worden war, wurde eine neuer Vorstand gewählt. Das Unternehmen brachte aber die Vorständler zum Verwaltungssitz des Noboa-Imperiums in Guayaquil und erzwang mit massiven Entlassungsdrohungen den Rücktritt fast aller Vorstandsmitglieder. Bei erneuten Vorstandswahlen wurde Lester Freire am 30. Oktober 2011 zum Generalsekretär gewählt. Sechs Wochen später bekam er dann die Kündigung.

Weder Dialog noch sozial

Lester Freire verlor von einem Moment auf den anderen nicht nur seinen Lebensunterhalt. Er und seine Familie verloren auch ihr Dach über dem Kopf. Schon frühmorgens kam ein Lastwagen zu dem Haus, das die Freires auf der Farm Álamos bewohnten. Hastig mussten sie ihre Habe aufladen und wurden vom Plantagengelände weggefahren. Lester Freires Name steht jetzt auf der Schwarzen Liste der als Gewerkschafter unerwünschten Arbeiter, denen überall eine Neuanstellung verweigert wird. FENACLE hat beim Arbeitsministerium Beschwerde gegen die unrechtmäßige Kündigung eingelegt. Aber obwohl die Kündigung von Lester Freire gleich gegen mehrere Artikel des Arbeitsrechts verstößt, kann sich die Arbeitsinspektion nicht entschließen einzuschreiten. „Wir haben jetzt wie auch bei den Fällen vorher Einspruch eingelegt. Aber die Arbeitsinspektoren und andere mittlere Angestellte der Arbeitsinspektion geben leicht dem Druck der Unternehmen nach“, beklagt der FENACLE-Vorsitzende Ángel Rivero. „Das Wort Gewerkschaft wird in Ecuador verteufelt. Und vom sozialen Dialog wollen die Unternehmer schon gar nichts hören“, ergänzt Rivero. Er spielt damit auf das Projekt der Internationalen Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen ILO an, mit der weltweit eine ständige Verhandlungsbereitschaft zwischen Regierungen, Unternehmen und ArbeiterInnen erreicht werden soll, weil „gesunde Arbeitsbeziehungen und eine effektiver gesellschaftlicher Dialog die Mittel sind, um bessere Bezahlungen und Arbeitsbedingungen sowie Frieden und soziale Gerechtigkeit zu erreichen.“

Der Magnat Álvaro Noboa, der bei den Wahlen 2006 mit seiner Partei der Erneuerung (PRIAN) als Präsidentschaftskandidat unterlag, will von solchen Ideen nichts wissen. Als 2002 die Arbeiter auf seiner Farm Álamos wegen Verweigerung von Tarifverhandlungen streikten, machten von Noboa geschickte Schläger Jagd auf die Arbeiter. Mehrere wurden durch Schrotgewehr-Salven schwer verletzt, einer verlor ein Bein. Damals verhinderte Noboa die Gründung von Gewerkschaften durch ein System von Subunternehmen, deren jeweilige Beschäftigtenzahl unter der gesetzlich erforderten Mindestzahl für eine Gewerkschaftsgründung lag. Die Regierung Rafael Correa hat diesen Missbrauch inzwischen gesetzlich verboten, nachdem FENACLE dafür schon unter den Vorgängerregierungen gekämpft hatte. FENACLE hatte auch die Wahlniederlage Noboas in der Stichwahl 2006 gegen Correa durch intensive Aufklärung über die Situation auf den Noboa-Plantagen mit herbeigeführt.

Das Noboa-Imperium umfasst ca. 110 Firmen in verschiedenen Wirtschaftszweigen, darunter das Unternehmen Exportadora Bananera Noboa als zweigrößter Exporteur Ecuadors im Jahr 2009 hinter Dole. Seit 2010 werden die Bananen auch von anderen Noboa-Unternehmen exportiert. Das größte war 2011 die Firma Bananera Continental mit 22,41 Mio. Kisten Bananen (7,88% vom Gesamtexport Ecuadors) als drittgrößter Exporteur. Noboa produziert auf rund 7.000 Hektar eigenem Plantagenland und kauft große Mengen Bananen von mehr als einem halben Tausend kleinen und mittleren Farmen für den Export. Noboa trägt 5% zum Bananenwelthandel bei und ist der fünftgrößte Bananenexporteur hinter Dole (26%), Chiquita (22%), Del Monte (15%) und Fyffes (7%). Die bekannteste Handelsmarke für Noboa-Bananen ist Bonita. Man findet sie auch in deutschen Supermarkt- und Discounter-Ketten.

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Nachricht an Señor Álvaro Noboa Pontón, Ecuador

Sehr geehrter Herr Noboa,

ich wurde von Fenacle und BanaFair informiert, dass Ihr Unternehmen Bananera Álamos S.A. ohne jeden Grund den Arbeiter Lester Gustavo Freire Burgos gekündigt hat, obwohl er ohne jede Beanstandung 13 Jahre für Ihren Betrieb gearbeitet hat. Alles deutet darauf hin, dass Herr Freire Burgos wegen seiner Wahl zum Generalsekretär der Betriebsgewerkschaft gekündigt wurde. Das verstößt gegen das Arbeitsgesetz Ecuadors. Ich bin entrüstet über die ungerechten Maßnahmen, die in Ihrem Betrieb gegen Arbeiter/innen ergriffen werden, die von ihrem Recht auf Gewerkschaftsorganisation Gebrauch machen und die ihnen laut Gesetz zustehenden Verhandlungen über einen Tarifvertrag fordern. Deshalb bitte ich Sie dringend um folgendes:

  • Lester Gustavo Freire Burgos unverzüglich wieder an seinem Arbeitsplatz einzusetzen.
  • Alle gesetzwidrigen Maßnahmen gegen die Arbeiter/innen einzustellen, inbesondere die willkürlichen und grundlosen Kündigungen und die psychologische Misshandlung durch die Androhung von Kündigungen wegen Gewerkschaftszugehörigkeit.

Hochachtungsvoll

Solidaritätsbotschaft an den Präsidenten von FENACLE

Lieber Kollege Ángel Rivero,

ich wurde von BanaFair über die willkürliche Kündigung von Lester Gustavo Freire Burgos und die widerrechtlichen Maßnahmen gegen andere ArbeiterInnen auf der Finca Álamos informiert. Ich solidarisiere mich mit Euch und habe an Herrn Álvaro Noboa eine Mitteilung geschrieben, in der ich ihn dringlichst bitte, auf Eure Forderungen nach Rücknahme der Kündigung und die Beendigung aller widerrechtlichen Maßnahmen gegen die Arbeiter(innen und die Gewerkschaft einzugehen.

Mit solidarischen Grüßen

„Das Wort Gewerkschaft wird in Ecuador verteufelt. Und vom sozialen Dialog wollen die Unternehmer schon gar nichts hören.“

Ángel Rivero, Präsident von FENACLE